Sideways

Ein önologischer Roadtrip von entkorkt.ch -


Eine szenische Lesung in drei Folgen aus dem Roman Sideways von Rex Pickett mit den Schauspielern Nikolaus Schmid & Kurt Grünenfelder.



Vor seiner Hochzeit macht Jack mit seinem Kumpel Miles eine Weintour durch das kalifornische Santa Ynez Valley, das bekannt für seinen hervorragenden Pinot Noir ist. Jack – Schauspieler und Womanizer – will sich von Miles – Schriftsteller und Weinkenner – in die Welt des Weins einführen lassen.

Eine wunderbar lebendige und tiefgründige Hommage an das Leben, die Liebe und den Wein.


In Ihrer Hotelbar, Ihrem erlesenen Weinkeller, auf Ihrem Weingut, an Ihrer Degustation, Ihrem Firmenanlass, im Foyer Ihres Theaters, an Ihrem fünfzigsten Geburtstag, Ihrem Kulturanlass, auf Ihrem Schloss … wo auch immer es feinen Wein gibt:

Wir werden für Sie lesen!




Bericht Engadiner Post 15.6.2017

von CAROLIN A. GEIST

20.30 Uhr, drei volle Gläser Wein. Zwei Männer, ein Buch, ein Publikum. Im Konzertsaal des Hotels Reine Victoria in St.Moritz nimmt das Publikum Platz. Überraschenderweise stehen drei volle Gläser Wein vor jedem Gast. Als drei ganze Flaschen die Rednerpulte unter den Kronleuchtern drapieren, spürt man die allgemeine Verunsicherung des Publikums und das kollektive Rätseln, ob eine Weindegustation die Lesung begleiten werde. Wie sehr sich später eine Parallelität zwischen dem Weintrinken des Lesungsgastes und einer Degustation in der Handlung aufbauen wird, ahnt noch niemand.

Das vorgetragene Stück ist eine neue Inszenierung von Rex Picketts Roman «Sideways. The Ultimate Roadtrip. The Last Hurra». «Eine Hommage an das Leben, die Liebe und den Wein», wie eine Angestellte des Reine Victoria das Stück einleitet. Die Handlung erzählt die letzte Woche von «Jacks» Junggesellenleben, in dem er alle Genussfreiheiten ausschöpfte. Jack und Miles, beste Freunde, könnten unterschiedlicher nicht sein. Beide komplementieren sich in ihrer Art und in ihrem Wissen über das Leben, die Liebe, die Frauen. Beide beschliessen, eine Woche durch die Weinregionen Kaliforniens zu schlaraffen und ein Weingut nach dem anderen durchzuprobieren. Jack ist extrovertiert, gutaussehend, erfolgreich, liebt die Frauen, und doch ist er verlobt mit Babs, weil, es „mit ihr weniger kompliziert ist als ohne“. Miles liebt Weine und kennt sie sehr gut, blickt auf eine gescheiterte Ehe und eine sich schwierig gestaltende Schriftstellerkarriere. Er übt sich daran, sein dadurch eingeschränktes Selbstbewusstsein zu entfalten, als müsse er sein Ego, wie einen Wein voller Potenzial, erst dekantieren.

Minute 19, 20.49 Uhr, zweites Glas Wein. Die Schauspieler Nikolaus Schmid und Kurt Grünenfelder schlüpfen in die Sprechrollen des bald gezähmten Bräutigams und des unsicheren Schriftstellers.


21.03 Uhr, drittes Glas Wein: «Hey, Jean Luc, mach noch mal ’ne Flasche auf», fordert «Jack» laut. Die Schauspieler lassen eine Flasche auf die Bühne aufploppen und dieser Effekt des Trinkens und Durstlöschens steckt unbewusst das Publikum an – sodass fast das ganze Publikum mechanisch nach dem Glas greift. Ab dann verflechtet sich parallel das Trinkverhalten des Publikums mit dem Trinkverhalten in der Handlung des Romans, und die drei Ebenen trinken im Takt: «Jack» und «Miles», die beiden Schauspieler auf der Bühne und das Publikum


21.10 Uhr, viertes Glas Wein ... Eine Schwere oder Genialität an Allegorien, Metaphern und Parallelitäten, die jeden Autor einer möglichen Sekundärliteratur helllaut begeistern würde, entfaltet sich über die Lesung wie die Aromen eines guten Weines, den man hat atmen lassen. Besonders ergänzen sich Miles’ Expertise über Weine und sein Unverständnis über die Strukturen der Liebe. Der Roman liest sich wie eine Anleitung dafür, Weinkenner zu werden.

Miles erklärt seinem Freund und dem Publikum, wie man einen Wein dekantiert, schwingt und an ihm riecht, was es mit einer malolaktischen Gärung auf sich hat (eine sekundäre Gärung, die den Abbau von Säure zu Folge hat) oder gar noch, welcher Pinot, welcher Château Latour, welcher Grand Armand Pommard wie viele Punkte bekam. Und doch scheint es, als würden seine Erklärungen über die Weineigenschaften doch eher Verhaltensmuster von Liebenden beschreiben. Deshalb verliebt sich Miles auch in Maya: «Ich liebe deine Schönheit! Du bist die einzige Frau, die weiss, dass der Wein nicht korkt, ohne ihn zu probieren». Ihre Expertise für Pinot beantwortet seine Sehnsüchte und kulminiert in einem Dialog über eben den Pinot - oder geht es doch um das sich anbahnende Verhältnis? «Darf ich dich etwas Persönliches fragen? Was fasziniert dich so am Pinot?», fragt Miles. Maya zeigt in ihrer Antwort Feingefühl, dass «nur wenige subtile Winzer» für die «ganz empfindliche Traube» geschaffen sind. Maya, die Winzerin, Miles, die Traube? Nur der weniger poetische Draufgänger Jack bricht die Magie. Beim Wein sei es besser als in der Liebe, jedes Jahr gäbe es eine neue Ernte, und das Erlebnis ist daher er- neuerbar. Eine gelungene Inszenierung und fein ausgesuchte, aussagekräftige Ausschnitte geben Lust auf mehr.


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