Hexenjagd

von Arthur Miller



Inszenierung: Urs Odermatt

Bühnenbild: Dirk Seesemann

Musik: David Sontòn-Caflisch

Regieassistenz: Iris Peng


Mit: Pascal Ulli, Felicitas Breest, Oliver Krättli, Ursina Hartmann, Nikolaus Schmid


Freilichtspiele Chur.

Première: 17. August 2004





In dem kleinen gottesfürchtigen Ort, wo spartanische Verhältnisse herrschen, ist der Teufel los. Freilich gibt es für den Spuk eine ganz normale Erklärung. Eine Gruppe junger Mädchen tanzt nächtens ausgelassen auf einer Waldlichtung, doch ihr geheimnisvolles Gehabe wird von den Bewohnern als satanischer Hexentanz interpretiert. Urheberin des angeblichen Hexensabbath ist Abigail Williams. Sie will sich rächen, weil John Proctor sie nach einer kurzen Liebesbeziehung verschmäht.


Hysterische Dorfbewohner, die in dem nächtlichen Tanz der Mädchen die Ausgeburt des Teufels zu erkennen vermeinen, setzen dem finsteren Ansinnen ein Ende. Versammlungen sollen klären, welche Seelen dem Bösen verfallen sind und wer unschuldig mit hineingezogen wurde. In angstvoller Euphorie nennen die Mädchen alle möglichen Namen, nicht ahnend, daß sie Unschuldige dem Galgen ausliefern. Ranghohe Richter unter dem Vorsitz von Danforth sollen klären, ob der Teufel in Salem haust. Abigail gelingt es immer wieder, sich in den Vordergrund zu spielen und Proctors Frau Elizabeth als Hexe anzuprangern. Auch Proctor wird der Prozeß gemacht. John, der der einzige ist, der sich nicht von der Hexenjagd in Salem anstecken läßt, weigert sich, ein angebliches Geständnis, das ihm das Leben retten könnte, zu unterschreiben. Wenn er am Galgen stirbt, dann für die Wahrheit...


Arthur MillersHexenjagd, die amerikanische Originalausgabe erschien 1952 unter dem TitelThe Crucible, basiert auf einer historischen Begebenheit: der Hexenjagd von Salem, in der 1692 insgesamt neunzehn als Hexen und Hexer Verurteilte gehängt wurden. Gerade diese Authentizität schockiert und provoziert und klagt jede Art von Dogmenbildung und Massenhysterie an.


Vorgeführt wird eine Gesellschaft, die sich nicht um Aufklärung bemüht, in der die Meinung der Mehrheit zur Wahrheit stilisiert wird und nicht wahr ist, was nicht wahr sein darf. Unter dem Deckmantel der Frömmigkeit begleichen machthungrige Denunziantinnen persönliche Rechnungen. Der Aberglaube der Umwelt wird zum eigenen Vorteil eingesetzt und damit nach Arthur Miller jener schleichende Prozeß ans Licht gebracht, "durch den sich erweist, daß die Sünde das gesellschaftlichen Terrors darin besteht, den Menschen seines Gewissens zu berauben und damit seiner Persönlichkeit".