Das Wunder von Wörgl

von Felix Benesch


Die Klibühni - DAS THEATER zeigte von 4. bis 22. September 2012 in Koproduktion mit "DIE KOLLABORATEURE" Felix Benesch´s Komödie "Das Wunder von Wörgl." Ein Freigeld-Schein zum Nachlesen und Freibier für alle - das war im Eintrittspreis des fast zweistündigen Theater-Vergnügens inkludiert.


Wunderbarer Publikumserfolg: "Das Wunder von Wörgl"

"Klug, witzig und aktuell" schreibt Julian Reich in seinem Premierenbericht im Bündner Tagblatt und "Eine Kleinstadt hebelt die Gesetze des Geldes aus" titelte Maya Höneisen in "Die Südostschweiz" - beide Kritiken gibt´s übrigens online zum Nachlesen auf www.klibuehni.ch

Die wahre Geschichte neu erzählen - dazu nimmt sich der Autor und Regisseur Felix Benesch die künstlerische Freiheit, seine Figuren nicht ausschließlich nach historischem Vorbild anzulegen und greift auch zum Stilmittel der Überzeichnung. Allerdings sehr gut dosiert und mit entsprechendem Witz gewürzt, der beim an und für sich ernsten Thema ebenso gut tut wie die musikalischen Einlagen, die allesamt live vom Ensemble dargeboten werden. Lieder von Georg Kreisler, Hugo Wiener und Sissy Kraner oder Haindling sind ebenso dabei wie eigens komponierte Stücke von Ludgar Nowak zu Liedtexten von Benesch.

Benesch stützt sich auf überlieferte Berichte über das Wörgler Freigeld-Experiment und lässt die Ereignisse in Wörgl von der Wahl des Lokführers Unterguggenberger zum Bürgermeister bis zum Verbot des weltweit aufsehenerregenden Wörgler Währungsexperimentes durch den Verwaltungsgerichtshof Revue passieren.

Die Klibühni kündigt einen "turbulenten, musikalischen Abend über das Wesen von Geld, offene Rechnungen und verpfändete Herzen" an und löst dieses Versprechen mit einem großartig agierenden und musizierenden Ensemble ein. Sehr einfühlsam und passend akzentuiert gibt Nikolaus Schmid den Bürgermeister Michael Unterguggenberger. Als Raiffeisenkasse-Filialleiter Franz Winkler sitzt René Schnoz auf zwei Sesseln und gerät in die Zwickmühle der Interessen des Wirtschaftsaufschwunges in seiner Gemeinde und den finanzpolitischen Interessen der Nationalbank. Deren Präsident Dr. Kienböck wird von Dietmar Horcicka verkörpert, dem im Stück eine Doppelrolle als Alt-Bürgermeister Josef Gollner zukommt.

Eine Doppelrolle bewältigt auch Katrin Ingendoh mit Bravour - als Serviererin Zenzi im Gasthof "Zur Post" und als Boutiquenbesitzerin Rosa Unterguggenberger. Äußerst souverän als resolute Wirtin hat Annett Sawallisch den Freibier-Ausschank ebenso fest im Griff wie ihre Gäste, denen bis zum Beginn des Theaterstückes Freibier serviert wird. Das Ensemble komplettiert Andreas Küng, der als Reporter ins Spiel kommt.

Hervorzuheben ist auch die Leistung der Musiker, zu deren Ensemble bei der Einlassmusik von den "Hujässler" auch Nikolaus Schmid gehört. Daniel Sailer, Ferdinand Settele und Ludger Nowak sind die Arbeiterjugendmusik, die vom ländlichen Intro über die Liedbegleitung bis zur Improvisation großes Können an den Tag legen.